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Streumunition
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Streumunition (auch Clustermunition, Bombletmunition) bezeichnet eine konventionelle Munition (Kassettenbomben oder SchĂŒttbomben), die dazu bestimmt ist, explosive Submunitionen (Bomblets) zu verstreuen oder freizugeben, und schließt diese explosiven Submunitionen ein.cite-ref-1[1] Waffensysteme nach diesem Konzept werden in Form von Fliegerbomben (Streubombe), Artillerie-Geschossen (auch als Cargomunition bezeichnet) oder als Sprengköpfe fĂŒr Lenkflugkörper und Raketen eingesetzt.

111 Staaten haben sich im Übereinkommen ĂŒber Streumunition dazu verpflichtet, Streumunition nicht einzusetzen, herzustellen oder zu lagern.cite-ref-2[2]

Contents

‱ Geschichte
‱ Deutschland
‱ Kroatien
‱ Afghanistan
‱ Irak
‱ Libanon
‱ Georgien
‱ Laos
‱ Syrien
‱ Weblinks
‱ Literatur

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Geschichte

Streumunition ist keine moderne Erfindung. Bereits im 17. Jahrhundert gab es Streumunition. So sind im Feuerwerksbuch von Braun (1682) sogenannte Regen- oder Sprengkugeln beschrieben. Diese waren aus Holz gedrechselte Geschosse, die als Submunition mehrere Handgranaten enthielten. Geworfen wurden sie aus einem Mörser. Beim Abschuss (je nach AnzĂŒndungsart entweder „aus dem Dunst“ oder mit „zwei Feuern“) wurde ein zentral angebrachter Verzögerungssatz angezĂŒndet. Dieser brannte wĂ€hrend der Flugphase des Geschosses ab und zĂŒndete so ĂŒber mehrere AnzĂŒndkanĂ€le im Holzkörper des Geschosses die Ausstoßladungen in den Kammern fĂŒr die Handgranaten. Dabei wurden diese durch den entstehenden Gasdruck aus ihren Kammern ausgestoßen und gleichzeitig ihre Brandröhren (ZĂŒnder) angezĂŒndet. Auf diese Weise wurde ein „Regen“ von Handgranaten erzeugt, der auf dem Schlachtfeld niederging.

Im Zweiten Weltkrieg wurden von deutscher Seite folgende Submunitionstypen aus Streubomben eingesetzt: die Sprengbombe Dickwandig 1 kg kurz SD 1, die Sprengbombe Dickwandig 2 kg (kurz SD 2) sowie die Brandbombe 1 kg Elektron, kurz B 1 E, B 1,3 E, B 2 E etc. und die Hohlladungsbombe zur PanzerbekĂ€mpfung SD 4 HL. Diese wurden in unterschiedlich große AbwurfbehĂ€lter (beispielsweise AB 70 mit 23 SD 2 oder 50 SD 1 bis hin zu AB 1000 mit 610 Brandbomben B 1,3 E oder 1000 SD 1) gepackt, der wiederum wie eine große Bombe abgeworfen wurde, sich nach kurzer Fallzeit ĂŒber einen ZeitzĂŒnder öffnete und die Kleinbomben freigab. Die zur besseren Tarnung meist dunkelgrĂŒn oder schmutzig gelb gefĂ€rbten Sprengbomben wurden dabei ĂŒber eine FlĂ€che verteilt und explodierten je nach eingesetztem ZĂŒnder beim Aufschlag, nach dem Ablauf einer vorher festgelegten Zeit oder bei nachtrĂ€glicher Störung der Bombe (siehe auch: Deutsche Abwurfmunition des Zweiten Weltkrieges).

Im Winterkrieg wurde von sowjetischer Seite frĂŒhe Typen von Streubomben verwendet (RRAB-1, RRAB-2, RRAB-3), die von den Finnen als Molotows Brotkorb bezeichnet wurde. Beladen waren die Bomben mit BrandsĂ€tzen, Splitterbomben und spĂ€ter auch mit Hohlladungs-Streumunition. Ab 1941 setzte die Flieger der Rote Armee AK-2 und ASh-2-Brand-Streumunition ein. Bei der Schlacht um Kursk wurden von sowjetischer Seite erstmals Hohlladungs-Streumunition (PTAB) in Bombenkassetten zu je 48 StĂŒck zur PanzerbekĂ€mpfung eingesetzt.cite-ref-3[3]

Von britischer und US-amerikanischer Seite wurden im Zweiten Weltkrieg ebenfalls Streubomben eingesetzt, sowohl Stab- und FlĂŒssigkeitsbrandbomben als auch Splitterbomben. WĂ€hrend die Briten die Thermit-Stabbrandbomben vom Typ INC 4 LB verwendeten, entwickelten die USA die Thermit-Stabbrandbomben AN-M50, AN-M52, AN-M54 und AN-M126. Aufgrund der Aluminium-Knappheit in den USA wurden dort wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs Stabbrandbomben mit Napalm-FĂŒllung entwickelt. Allein von der Naplam-Streumunition AN-M69 wurden fĂŒr die Luftangriffe auf japanische StĂ€dte 20 Millionen StĂŒck bereitgestellt (vgl. Luftangriffe auf Tokio). Auch Italien besaß mit der AR-4 „Thermosbombe“ eine eigene Streumunition, die u. a. bei Luftangriffen in Nordafrika auf die Insel Malta eingesetzt wurde.

Die Streubombentechnik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg federfĂŒhrend von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion weiterentwickelt. Bei unverĂ€ndertem Grundprinzip wurden verschiedene Arten von Streumunition fĂŒr militĂ€rische Zwecke entwickelt und auch fĂŒr andere Einsatzarten als den Abwurf von einem Flugzeug umgesetzt; so wurde Streumunition u. a. fĂŒr ArtilleriegeschĂŒtze oder Raketenwerfer entwickelt. Gegen Ende des Vietnamkrieges wurde der großflĂ€chige Einsatz von Napalm zusehends durch Streubomben mit Splitterwirkung verdrĂ€ngt.

Ab den 1980er-Jahren wurden sogenannte „intelligente“ Bomblets mit eigenen Sensoren zur prĂ€zisen BekĂ€mpfung von Panzerfahrzeugen entwickelt.cite-ref-jah2019-4-0[4]

Technik und Funktion

Streumunition besteht aus kleinen Bomblets (Submunition) die von einem TrĂ€gersystem bzw. Einsatzmittel zum Ziel gebracht und dort verstreut werden. Die TrĂ€gersysteme fĂŒr die Bomblet sind vielfĂ€ltig und es werden Fliegerbomben (Streubomben), am Flugzeug verbleibende AbwurfbehĂ€lter, Artilleriegeschosse, Mörsergranaten oder Gefechtsköpfe fĂŒr Artillerieraketen, Marschflugkörper und ballistische Raketen verwendet. Die TrĂ€gersysteme können mit zwei bis mehreren tausend Bomblets beladen werden. Durch die ZĂŒndung einer Ausstoßladung oder durch die Rotation des TrĂ€gersystems werden die Bomblets ĂŒber dem Ziel verteilt. In AbhĂ€ngigkeit von Ausstoßhöhe und Ausstoßgeschwindigkeit verteilen sich die Bomblets ĂŒber eine grĂ¶ĂŸere oder kleinere FlĂ€che mit unterschiedlicher Belegungsdichte. Die StreuflĂ€che kann elliptisch- oder kreisförmig sein und eine Ausdehnung von wenigen dutzend bis mehreren zehntausend Quadratmetern haben. Durch den sehr großen rĂ€umlichen Wirkungsradius erhöht sich die Effizienz der Waffe gegen großflĂ€chige Ziele oder die Wahrscheinlichkeit, kleine, bewegliche Ziele im beschossenen Zielgebiet zu treffen. Weiter wird auch keine hohe Zielgenauigkeit benötigt. Streumunition ist damit, rein militĂ€risch betrachtet, eine der wirksamsten konventionellen Waffen, die aus der Distanz gegen Bodenziele eingesetzt werden können.cite-ref-ffi-cluster-5-0[5]cite-ref-clusterconvention1-6-0[6]cite-ref-clusterconvention2-7-0[7]cite-ref-8[8]

Der Aufbau der Bomblets ist unterschiedlich und richtet sich nach dem TrĂ€germittel und dem Einsatzzweck. Der Aufbau der Bomblets kann kugelförmig, zylinderförmig sein oder dem von kleinen Mörsergranaten oder Fliegerbomben Ă€hneln. Um den Fall zu stabilisieren oder abzubremsen, haben verschiedene Bomblets kleine Leiterwerke oder einen Fallschirm oder Ballonschirm. Bei sehr kleinen Bomblets sind zur Stabilisierung einfache Stoff- oder GummibĂ€nder auf der Oberseite angebracht. Als ZĂŒnder werden AufschlagzĂŒnder, VerzögerungszĂŒnder und selten auch NĂ€herungszĂŒnder verwendet. Neuere Bomblets verfĂŒgen ĂŒber zusĂ€tzliche Selbstzerstörungs- sowie Neutralisierungsmechanismen, welche die Rate der BlindgĂ€nger laut Angaben der Hersteller gegen Null senken soll und somit die GefĂ€hrdung der Zivilbevölkerung durch nicht detonierte Bomblets (BlindgĂ€nger) drastisch reduzieren können.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Durch falsche Einsatzverfahren und QualitĂ€tsmĂ€ngel versagen vielfach auch diese Sicherheitsmechanismen.cite-ref-m85-11-0[11] Das Gewicht eines Bomblets reicht von wenigen hundert Gramm bis zu mehreren Kilogramm. Es existieren eine Vielzahl unterschiedlicher Bomblets mit unterschiedlichen Wirkweisen, die zur BekĂ€mpfung von verschiedenen Zielen konzipiert sind.cite-ref-ffi-cluster-5-1[5]cite-ref-clusterconvention1-6-1[6]

TrÀgersysteme / Einsatzmittel

Streubomben

Streubomben sind Fliegerbomben die mit Bomblets (Submunition) beladen sind. Der Einsatz von Streubomben geschieht ab Bombern, Kampfflugzeugen, Kampfhubschraubern sowie Unbemannten Luftfahrzeugen. Streubomben können aus mittlerer Flughöhe wie auch aus dem Tiefflug abgeworfen werden. Sie werden hauptsĂ€chlich fĂŒr die LuftnahunterstĂŒtzung eingesetzt. Daneben können auch taktische und strategische Ziele mit Streubomben bekĂ€mpft werden. Bei den Zielen handelt es sich um Truppenansammlungen oder wichtige Ziele wie FlugplĂ€tze, Kommunikationseinrichtungen, Radaranlagen, Luftabwehr, Beobachtungsposten, Artilleriestellungen usw. Weltweit existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Streubomben-Modelle. Sie werden als Freifallbomben oder mit RĂŒstzusĂ€tzen mit INS und/oder GNSS als PrĂ€zisionsbomben eingesetzt. Streubomben können mit wenigen dutzend mit bis ĂŒber tausend Bomblets beladen sein. Ausgestoßen aus der Streubombe werden die Bomblets, in dem die Bombenbeplankung abgesprengt wird oder mit einer Ausstoßladung. Vertreter von Streubomben sind die BL755, BLG 66 Belouga, CBU-97, RBK-250 und RBK-500.cite-ref-ffi-cluster-5-2[5]cite-ref-janes-air-bomb-12-0[12]

AbwurfbehÀlter

AbwurfbehĂ€lter verbleiben zum Ausstoßen der Submunition am Luftfahrzeug und werden im Unterschied zu Streubomben nicht abgeworfen. Nachdem das Luftfahrzeug zum StĂŒtzpunkt zurĂŒckgekehrt ist, können diese BehĂ€lter mit neuer Submunition beladen werden. AbwurfbehĂ€lter werden ĂŒberwiegend mit Kampfflugzeugen und z. T. auch mit Kampfhubschraubern eingesetzt. Der Ausstoß der Submunition erfolgt in der Regel aus dem Tiefflug. Zu den Zielen gehören Truppenansammlungen, FlugplĂ€tze und mechanisierte VerbĂ€nde. Die BehĂ€lter können mit wenigen dutzend mit bis ĂŒber tausend Bomblets, Kleinbomben, Panzerabwehrminen oder Antipersonenminen beladen werden. WĂ€hrend dem kalten Krieg wurden im Westen die AbwurfbehĂ€lter MW-1 sowie JP233 und in der Sowjetunion der KMGU-AbwurfbehĂ€lter entwickelt.cite-ref-ffi-cluster-5-3[5]cite-ref-janes-air-bomb-12-1[12]

Luft-Boden-Raketen

FĂŒr den Einsatz ab Flugzeugen und Hubschraubern wurden ungelenkte Luft-Boden-Raketen mit Submunition entwickelt. Seltener entstanden auch Luft-Boden-Lenkflugkörper mit Submunition. Luft-Boden-Raketen mit Submunition werden zur LuftnahunterstĂŒtzung eingesetzt. Da diese Raketen einen kleinen Durchmesser haben, können sie nur 5–10 kleine Splitter- oder Hohlladungs-Bomblets aufnehmen. Bekannte Luft-Boden-Raketen mit Submunition sind die SNEB und Hydra 70.cite-ref-janes-air-rocket-13-0[13]

Artilleriegeschosse

Weit verbreitet sind Artilleriegeschosse mit Submunition. Diese werden auch als Cargomunition oder Dual-purpose Improved Conventional Munition (DPICM) bezeichnet. FĂŒr die Artillerie existieren Submunition-Geschosse mit Kaliber 105 mm, 122 mm, 152 mm, 155 mm und 203 mm. Ein Artilleriegeschoss mit Kaliber 155 mm kann 45–88 Bomblets aufnehmen. PrimĂ€r werden Hohlladungs-Bomblets aber auch Splitter-Bomblets und Minen verwendet. Diese werden nach einer vorbestimmten Zeit mit einer Ausstoßladung aus dem Geschossboden ausgestoßen. Artilleriegeschosse mit Submunition werden im Indirektem Feuer gegen eine Vielzahl frontnaher Ziele eingesetzt.cite-ref-janes-ammo-art-14-0[14]cite-ref-ffi-cluster-5-4[5]

Mörsergranaten

Nicht sehr verbreitet sind Mörsergranaten mit Submunition. FĂŒr Mörser existieren Submunition-Granaten mit Kaliber 81 mm, 107 mm, 120 mm sowie 240 mm. Eine Mörsergranate mit Kaliber 120 mm kann 20–35 Bomblets aufnehmen. PrimĂ€r werden Hohlladungs-Bomblets mit zusĂ€tzlichem Splittermantel verwendet. Mörsergranaten mit Submunition werden ĂŒberwiegend zur FeuerunterstĂŒtzung auf dem Gefechtsfeld verwendet. Vertreter dieser Munitionskategorie sind die Granaten MAT-120 und 3WO32.cite-ref-janes-ammo-mor-15-0[15]cite-ref-ffi-cluster-5-5[5]

Artillerieraketen

Mehrfachraketenwerfer mit Artillerieraketen eignen sich besonders gut als Einsatzmittel fĂŒr Submunition. Mit ihnen wird in einem großflĂ€chigen Zielgebiet innerhalb kurzer Zeit eine sehr hohe Belegungsdichte erzielt. GegenĂŒber Artilleriegeschossen können Artillerieraketen eine deutlich grĂ¶ĂŸere Anzahl Bomblets (bis zu mehreren hundert) transportieren. PrimĂ€r werden Hohlladungs-Bomblets aber auch Splitter-Bomblets und Minen verwendet. Diese werden nach einer vorbestimmten Zeit mehrheitlich mit einer Ausstoßladung aus der Rakete ausgestoßen. Artillerieraketen mit Submunition werden im indirekten Feuer gegen verschiedene frontnahe Ziele eingesetzt. Weltweit existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Artillerieraketen mit Submunition. U. a. können die folgenden Mehrfachraketenwerfer solche Raketentypen einsetzen: MLRS, HIMARS, LARS, LAR-160, BM-21, BM-27, BM-30, WM-80 sowie Fadschr-5.cite-ref-janes-ammo-mrl-16-0[16]cite-ref-ffi-mrl-17-0[17]

Ballistische Raketen

Seit dem kalten Krieg wurden fĂŒr Ballistische Raketen Gefechtsköpfe mit Submunition entwickelt. Diese sind fĂŒr den Einsatz mit Kurzstreckenraketen und seltener auch mit Mittelstreckenraketen vorgesehen. Mit solchen Raketen können Truppen und GerĂ€t weit hinter der Kriegsfront bekĂ€mpft werden. Die Gefechtsköpfe von ballistischen Raketen fassen wenige dutzend bis ĂŒber tausend Bomblets. Vertreter von ballistischen Raketen mit Submunition-Gefechtsköpfen sind die MGM-52 Lance, MGM-140 ATACMS, 9K52 Elbrus, 9K79 Totschka und 9K720 Iskander.cite-ref-ffi-cluster-5-6[5]cite-ref-ffi-mrl-17-1[17]cite-ref-clusterconvention1-6-2[6]

Marschflugkörper

Marschflugkörper können Submunition nach einer Flugstrecke von z. T. ĂŒber 1.000 km mit hoher PrĂ€zision ins Ziel bringen. Der Einsatz richtet sich in der Regel gegen strategische Ziele wie FlugplĂ€tze, Radaranlagen sowie Luftabwehrstellungen. Aufgrund der beschrĂ€nkten Nutzlast der Marschflugkörper ĂŒbersteigt die Anzahl der mitgefĂŒhrten Bomblets selten 100 StĂŒck. Vertreter von Marschflugkörper die mit Submunition beladen werden können, sind die R/UGM-109 Tomahawk, Apache, Ch-555, Ch-101 und 3M14 Kalibr.cite-ref-warhead-18-0[18]

Bomblets (Submunition)

Splitter-Bomblets

Splitter-Bomblets werden bei der BekĂ€mpfung von Material sowie von ungepanzerten und lebenden Zielen verwendet. Sie werden aufgrund ihrer Wirkweise auch „AP“ (Anti-Personnel) und „AM“ (Anti-Material) bezeichnet. Die Bomblets bestehen in der Regel aus einem Sprengstoffkern um den ein Splittermantel aus Stahl angebracht ist. Weiter kann der Mantel auch aus Leichtmetall mit eingebetteten Stahlpellets oder StahlkĂŒgelchen gefertigt sein. Auch kann innen am Splittermantel eine Schicht Zirconium beigefĂŒgt werden, was fĂŒr eine zusĂ€tzliche Brandwirkung sorgt. Ihr Gewicht variiert zwischen wenigen hundert Gramm bis zu wenigen Kilogramm, wobei letztere auch als Kleinbomben oder Minibomben bezeichnet werden. In AbhĂ€ngigkeit zum Aufbau und der zur BombletgrĂ¶ĂŸe betrĂ€gt der Splitterwirkungskreis 5-20 m. BezĂŒndert sind diese Bomblets mit einem AufschlagzĂŒnder oder auch ZeitzĂŒnder. Vertreter von Splitter-Bomblets sind die SD 2, BLU-3 Pineapple und die SchOAB-0,5.cite-ref-ffi-cluster-5-7[5]cite-ref-clusterconvention1-6-3[6]cite-ref-bull-ukr-19-0[19]

Hohlladungs-Bomblets

Hohlladungs-Bomblets zur BekĂ€mpfung von Panzerfahrzeugen verwendet. Diese Bomblets sind in der Regel nur wenige Zentimeter groß und wiegen wenige hundert Gramm. In AbhĂ€ngigkeit zur BombletgrĂ¶ĂŸe kann die Hohlladung 100–250 mm Panzerstahl durchschlagen. Dies reicht aus, um die relativ schwach gepanzerte Oberseite von Panzerfahrzeugen zu durchdringen. Bei vielen Bomblet-Modellen ist um die Hohlladung ein zusĂ€tzlicher Splittermantel angebracht, um auch gegen lebende Ziele zu wirken. Verwendet wird ausnahmslos ein AufschlagzĂŒnder und moderne Modelle verfĂŒgen ĂŒber einen zusĂ€tzlichen Selbstzerstörung-Mechanismus. Hohlladungs-Bomblets werden ĂŒberwiegend mit Streubomben, Artilleriegeschossen, Mörsergranaten oder mit Artillerieraketen ins Ziel gebracht. Ein typischer Vertreter dieser Munitionsart ist die BLU-97-Submunition.cite-ref-janes-air-bomb-12-2[12]cite-ref-m85-11-1[11]cite-ref-ffi-cluster-5-8[5]cite-ref-bull-ukr-19-1[19]

Brand-Bomblets

Brand-Bomblets werden zur BekĂ€mpfung von Material, Infrastruktur sowie von ungepanzerten und lebenden Zielen verwendet. Ihr Gewicht variiert zwischen einigen hundert Gramm bis zu mehreren Kilogramm, wobei letztere auch als Kleinbomben bezeichnet werden. Als Brandmittel werden Thermit, Napalm, weißer Phosphor oder auch Triethylaluminium sowie Zirconium verwendet. BezĂŒndert sind diese Bomblets mit einem AufschlagzĂŒnder, VerzögerungszĂŒnder oder ZeitzĂŒnder. Brand-Bomblets werden ĂŒberwiegend mit Streubomben und Artillerieraketen ins Ziel gebracht. Vertreter von Brand-Bomblets sind die Stabbrandbomben, die AN-M69 sowie die ZAB-2,5M.cite-ref-ffi-cluster-5-9[5]cite-ref-clusterconvention1-6-4[6]cite-ref-bull-ukr-19-2[19]

„intelligente“ Bomblets

Sogenannte „intelligente“ Bomblets oder auch Wirkkörper werden zur BekĂ€mpfung von Panzerfahrzeugen verwendet. Jeder selbstzielsuchende Wirkkörper verfĂŒgt ĂŒber Sensoren und ein Steuersystem, um wĂ€hrend dem Fall zur ErdoberflĂ€che Fahrzeuge zu erkennen und auf diese zu zusteuern. Mehrheitlich wird dafĂŒr ein Infrarot-Sensor, Lidar oder ein Millimeterwellen-Radar verwendet. Um das Ziel zu zerstören, bzw. außer Gefecht zu setzten wird ĂŒber dem Fahrzeug eine projektilbildende Ladung gezĂŒndet. Diese kann 80–150 mm Panzerstahl durchschlagen. Die Wirkkörper verfĂŒgen ĂŒber einen Selbstzerstörung-Mechanismus sowie ein zusĂ€tzliches Selbstneutralisation-System. Selbstzielsuchende Wirkkörper wiegen mehrere Kilogramm und werden entweder mit Streubomben, Artilleriegeschossen oder Artillerieraketen ins Ziel gebracht. Bekannte selbstzielsuchende Wirkkörper sind die BLU-108, SPBE, BONUS, SMArt und SADARM.cite-ref-janes-ammo-art-14-1[14]cite-ref-20[20]

Bomblets mit B/C-Waffen

WĂ€hrend des Kalten Krieges entwickelten die USA wie auch die UdSSR Bomblets, die mit biologischen und chemischen Kampfstoffen befĂŒllt waren. Verwendet wurden ĂŒberwiegend Nervengifte wie Sarin und VX sowie die Hautgifte Senfgas und Lewisit. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden diese Bomblets delaboriert.cite-ref-endicotthagerman-21-0[21]cite-ref-22[22]

Spezielle Bomblets

Weiter wurden bzw. werden auch spezielle Bomblets fĂŒr verschiedene Einsatzzwecke entwickelt. Darunter fallen beispielsweise die Fledermausbombe sowie die BLU-114. Mit letzterer können elektrische Anlagen wie Kraftwerke, Umspannwerke oder Freileitungen fĂŒr begrenzte Zeit durch KurzschlĂŒsse betriebsunfĂ€hig gemacht werden.

Einsatz und Kritik

Streumunition steht insbesondere durch den hohen Anteil von BlindgĂ€ngern (mitunter 10 bis 30 Prozent) in der Kritik. Diese Kampfmittelaltlasten gefĂ€hrden nach einem Konflikt insbesondere die Zivilbevölkerung und wirken wie Landminen.cite-ref-23[23] Anfang Juli 2008 ordnete das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten eine neue technische Vorgabe an, dass ab 2019 mindestens 99 Prozent der SprengsĂ€tze einer Cluster-Bombe explodieren mĂŒssen.cite-ref-24[24] Im November 2017 wurde das Inkrafttreten dieser Vorgabe verschoben, weil nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums die entsprechende Technik nicht ausreichend entwickelt sei, um die BestĂ€nde durch sicherere Waffen zu ersetzen.cite-ref-25[25] Der letzte bekannte Streubomben-Einsatz der USA waren zwei Cruise-Missile-Angriffe gegen ein Camp von Al-Qaida in Jemen im Dezember 2009. Der letzte Kriegseinsatz fand 2003 statt.cite-ref-26[26]

Im Kosovokrieg (1999), im Krieg in Afghanistan 2001–2021 und im Irakkrieg (2003) wurden zusammengenommen fast 16.000 StĂŒck Streumunition mit geschĂ€tzten 2,3 bis 2,5 Millionen Submunitionen eingesetzt.cite-ref-themonitor2009-27-0[27] Im Libanonkrieg 2006 wurden nach Angaben der Vereinten Nationen Streubomben mit insgesamt mehr als vier Millionen Submunitionen durch Israel abgeworfen.cite-ref-28[28] Auch an den SchauplĂ€tzen der Indochinakriege, besonders in Laos und SĂŒd-Vietnam, bleiben BlindgĂ€nger von Streubomben immer noch gefĂ€hrlich.

Der Anwendung dieser Waffen stellen sich viele Menschenrechtsorganisationen entgegen, darunter das Rote Kreuz, Human Rights Watch, Amnesty International, Handicap International, der Deutsche Initiativkreis fĂŒr das Verbot von Landminen und Teile der Vereinten Nationen.cite-ref-mau2000-29-0[29]cite-ref-30[30]

Die deutsche Bundesregierung hat sich mit dem Oslo-Abkommen zum Verbot von Streumunition verpflichtet, Staaten wie Russland und USA, die dem Abkommen nicht angehören, vom Streumunitionsgebrauch abzuhalten. Kritiker bemĂ€ngeln, dass die Bundesregierung diese Verpflichtung seit der offiziellen AnkĂŒndigung der USA im Juli 2023, Streumunition an die Ukraine zu liefern, missachtet.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]

Deutschland

Die Alliierten setzten Streumunition in Form von Stabbrandbomben im Zweiten Weltkrieg gegen das deutsche Reich ein. Mit mehr als 80 Millionen StĂŒck war der britische Typ „INC 4 LB“ (incendiary 4 Pfund), eine Elektron-Thermit-Stabbrandbombe von 1,7 kg Gewicht, die am hĂ€ufigsten im Luftkrieg gegen Deutschland eingesetzte Brandwaffe. SpĂ€tere AusfĂŒhrungen enthielten eine Zerlegerladung aus Schwarzpulver, die nach einiger Zeit explodierte. Sie sollte in erster Linie die BrandbekĂ€mpfung erschweren, wĂ€hrend die unmittelbare Wirkung der Explosion auf die Bausubstanz gering war. Vergleichbare Typen waren die US-amerikanische AN-M50 oder die geringfĂŒgig kleinere deutsche B 1 E. Diese Stabbrandbomben stellen auch heute noch, 80 Jahre nach Kriegsende, eine Gefahr dar. Zahlreiche Youtubevideos von SondengĂ€ngern mit Metalldetektoren deuten auf eine große Menge noch heute vorhandener Streumunition hin.cite-ref-kellerhoff-33-0[33]

Serbien und Kosovo

Die NATO hat bestĂ€tigt, dass bei EinsĂ€tzen der NATO-StreitkrĂ€fte im Kosovo insgesamt 1.392 Streubomben mit einer BestĂŒckung von 289.536 Submunitionen an 333 Ziel- oder Abwurforten zum Einsatz kamen.cite-ref-34[34] Nach inoffiziellen Angaben eines KFOR-Spezialisten fĂŒr Kampfmittelbeseitigung sind pro BehĂ€lter zwischen 3 und 26 % der Submunitionen nicht explodiert, die NATO selbst geht von ungefĂ€hr 10 %, also 30.000 SprengsĂ€tzen, aus.cite-ref-icrc2001s8-35-0[35] Bis zum Mai 2000 konnten unter UN-Aufsicht 4.069 dieser BlindgĂ€nger entschĂ€rft werden.cite-ref-icrc2001s8-35-1[35] Nach Angaben des Roten Kreuzes waren bis Ende Mai 2000 mindestens 50 TodesfĂ€lle und 101 Verletzungen auf Explosionen solcher Submunitionen zurĂŒckzufĂŒhren.cite-ref-36[36] GefĂ€hrdet ist die Bevölkerung nicht nur an Land, da insgesamt 235 Bomben verschiedener Art, darunter auch Streubomben, ĂŒber der Adria abgeworfen wurden.cite-ref-icrc2001s14-37-0[37] Bei einem Vorfall im Mai 1999, bei dem sich ein Bomblet in einem Fischernetz verfing, erlitten drei italienische Fischer Verletzungen.cite-ref-icrc2001s14-37-1[37]

NATO-VerbĂ€nde griffen auch serbische Truppen und SchlĂŒsselziele der Infrastruktur innerhalb Serbiens an und setzen dabei teilweise auch Streumunition ein.cite-ref-38[38]

Die serbische Armee setzte Streumunition gegen die UÇK ein.cite-ref-39[39]

Kroatien

WĂ€hrend des Kroatienkriegs wurden von serbischer Seite Streumunition mit M-87-Raketenwerfern gegen die Innenstadt von Zagreb eingesetzt, wobei sieben Personen getötet und 214 weitere verletzt wurden.cite-ref-icty-40-0[40] Da der Einsatz der Streubomben zivilen Zielen galt, wurde der AnfĂŒhrer der Republik Serbische Krajina, Milan Martić, vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag deswegen als Kriegsverbrecher angeklagt und schuldig gesprochen.cite-ref-icty-40-1[40]

Afghanistan

Im Afghanistankrieg wurden zwischen 2001 und 2002 von den StreitkrĂ€ften der Vereinigten Staaten 1228 Einheiten Streumunition, bestĂŒckt mit 248.056 Bomblets, gegen Ziele eingesetzt.cite-ref-themonitor2009-27-1[27] Nach Angaben von Human Rights Watch haben auch die StreitkrĂ€fte der Taliban Streumunition mittels Raketenwerfern sowjetischer Bauart des Typs BM-21 eingesetzt.cite-ref-41[41] Nach Angaben der UN-Organisation Mine Action Programme (MAPA) ist Afghanistan eines der weltweit am schwersten von Landminen und nicht detonierter Streumunition betroffenen LĂ€nder. Obwohl die MAPA dort zwischen MĂ€rz 1978 und Dezember 2000 mehr als 1,6 Millionen BlindgĂ€nger von frĂŒheren Kampfgebieten, AckerbauflĂ€chen, Straßen und Wohngebieten entfernt habe, seien durch verbliebene Explosivkörper im selben Zeitraum mindestens 2812 Menschen getötet und tausende weitere verletzt worden.cite-ref-irin-2-42-0[42]

Irak

Im Rahmen des Ersten Golfkriegs setzte der Irak 1984 nach Angaben einer Quelle Streumunition aus chilenischer Produktion, die auf gestohlenen US-amerikanischen PlÀnen basierte, gegen den Iran ein.cite-ref-43[43]

Im Zweiten Golfkrieg 1990/1991 wurde nach Angaben der Cluster Munition Coalition von den Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien insgesamt 61.000 Streubomben mit etwa 20 Millionen Submunitionen im Irak und Kuwait eingesetzt.cite-ref-cmc-irak-44-0[44]

Auch wĂ€hrend des Irakkrieges 2003 wurden nach einem Bericht von Human Rights Watch von den Vereinigten Staaten und Großbritannien fast 13.000 Streubomben mit geschĂ€tzt 1,8 bis 2 Millionen Submunitionen eingesetzt.cite-ref-45[45]cite-ref-cmc-irak-44-1[44] Am 1. April 2003 seien nach einem Bericht von Amnesty International in Hilla zahlreiche Tote und Verletzte ins örtliche Krankenhaus gebracht worden, ihre Körper ĂŒbersĂ€t von Schnitten, die die Splitter von Streubomben hinterlassen hĂ€tten.cite-ref-amnesty2003-46-0[46] Ende 2020 waren noch 162,81 kmÂČ des Irak mit Resten von Streumunition belastet, wobei zwischen 2019 und 2020 knapp 12 kmÂČ von 16.142 StreumunitionsrĂŒckstĂ€nden befreit werden konnten.cite-ref-47[47]cite-ref-48[48]

Libanon

Im Laufe des Libanonkrieges 2006 wurden nach Angaben von Human Rights Watch von beiden kriegsfĂŒhrenden Parteien, Israel und der Hisbollah, Streubomben eingesetzt.cite-ref-hrw2008-49-0[49]cite-ref-hrw2006-50-0[50] Bei israelischen Luftangriffen im Libanon eingesetzten Streubomben wurden nach Angaben des Mine Action Co-Ordination Center of South Libanon (MACC SL) der Vereinten Nationen 378 Einschlagsgebiete ermittelt. Laut Human Rights Watch setzte die Hisbollah am 25. Juli Type-81-Mehrfachraketenwerfer chinesischer Bauart, ausgerĂŒstet mit Submunition vom Typ 90, ein.cite-ref-hrw2006-50-1[50] Die israelischen StreitkrĂ€fte gaben bekannt, fĂŒr die MinenrĂ€umung Karten mit den Abwurforten der Bomben zur VerfĂŒgung gestellt zu haben.cite-ref-spiegel2006-51-0[51] Chris Clark, der Koordinator des UNO-Entminungsprogrammes, bezeichnete die Karten als unbrauchbar, da es sich lediglich um Satellitenkarten mit handschriftlichen vagen Markierungen handele.cite-ref-spiegel2006-51-1[51] Wie dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel auf Anfrage durch einen hohen israelischen Regierungsbeamten bestĂ€tigt wurde, verfĂŒge Israel ĂŒber Karten mit den genauen Bomben-Zielkoordinaten, halte diese aber aus GeheimhaltungsgrĂŒnden zurĂŒck.cite-ref-spiegel2006-51-2[51] Bis zum 22. April 2007 verzeichnete das MACC SL insgesamt 22 tote und 178 verletzte Zivilisten durch BlindgĂ€nger von Streumunition im SĂŒdlibanon, darunter 26 verletzte und 2 getötete Kinder unter 12 Jahren.cite-ref-52[52] Die israelischen StreubombeneinsĂ€tze im Libanon, die nach einer Behauptung von Jan Egeland zu 90 Prozent erst wĂ€hrend der letzten drei Tage der Luftangriffe kurz vor Inkrafttreten der UN-Resolution 1701 durchgefĂŒhrt worden sein sollen, haben bei verschiedenen Vertretern und Organisationen der UN und bei Menschenrechtsorganisationen Kritik hervorgerufen.cite-ref-taz0109-53-0[53] Das MACC SL und die Vereinten Nationen schĂ€tzen, dass wĂ€hrend des 34-tĂ€gigen Kampfes etwa vier Millionen Bomblets gestreut worden sind, von denen eine Million noch nicht explodiert sind.cite-ref-hrw2008-49-1[49] Sprecher der israelischen Regierung und Armee wiesen die Kritik zurĂŒck und erklĂ€rten, Waffen und Munition im Libanon nur im Einklang mit dem internationalen Recht eingesetzt zu haben.cite-ref-taz0109-53-1[53] Details zu den von der Hisbollah eingesetzten Streubomben sind nicht verfĂŒgbar, weder Anzahl noch Abwurforte sind von der Hisbollah bekanntgegeben worden, auch sind keinerlei Karten hierzu veröffentlicht worden. Auch gab es hierzu keine unabhĂ€ngigen Recherchen von Journalisten oder NGOs.

Georgien

WĂ€hrend des Georgienkriegs im August 2008 wurde laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sowohl von russischer als auch von georgischer Seite Streumunition eingesetzt.cite-ref-hrw-081104-54-0[54] Mindestens 17 Zivilisten seien getötet und Dutzende verletzt worden, wahrscheinlich ĂŒberwiegend durch russische Bomben.cite-ref-hrw-081104-54-1[54] Ein Teil der Streubomben sei nicht explodiert und stellt eine Gefahr fĂŒr Zivilisten dar.cite-ref-hrw-081104-54-2[54] Die Streumunition habe zu Ernteverlusten gefĂŒhrt, weil georgische Bauern aus Angst vor den nicht detonierten Bomben ihre Felder nicht betreten wĂŒrden.cite-ref-hrw-081104-54-3[54] Russland bestreitet den Einsatz von Streumunition im Georgienkonflikt.cite-ref-hrw-081104-54-4[54] Sowohl Russland als auch Georgien sind der Konvention ĂŒber Streumunition nicht beigetreten.cite-ref-hrw-081104-54-5[54]

Laos

Nach Angaben der National Regulatory Authority for the UXO/Mine Action Sector in the Lao PDRcite-ref-55[55] (NRA) ist Laos pro Kopf gemessen das am meisten von Bomben getroffene Land der Welt: wĂ€hrend des Vietnamkrieges wurden zwischen 1964 und 1973 ĂŒber 270 Millionen Submunitionen bei ĂŒber 580.000 Bombenangriffen abgeworfen,cite-ref-nra2010-56-0[56] das entspricht durchschnittlich einem Bombenangriff alle 8 Minuten ĂŒber 9 Jahre hinweg.cite-ref-57[57] Da selbst unter idealen Testbedingungen ca. 30 % der Bomblets nicht explodieren, geht die NRA davon aus, dass sich seit dem Ende der Bombardierung 1973 noch bis zu 80 Millionen explosionsbereite BlindgĂ€nger auf dem Boden Laos’ befinden.cite-ref-nra2010-56-1[56] Mehr als 50.000 Menschen wurden zwischen 1964 und 2008 von Streumunition getötet oder verletzt, davon 20.000 Menschen nach dem Krieg.cite-ref-nra2010-56-2[56] Vor allem Kinder sind gefĂ€hrdet (23 % der Opfer).cite-ref-nra2010-56-3[56] Mehrere staatliche und nichtstaatliche Organisationen arbeiten an der RĂ€umung der betroffenen Gebiete; zwischen 1996 und 2009 konnten mit rund 500.000 Submunitionen und rund 600.000 anderen BlindgĂ€ngern nur ein Bruchteil der vermuteten Gesamtmenge gerĂ€umt werden.cite-ref-nra2010-56-4[56]

Viele Menschen im sehr armen Laos leben vom Sammeln und Verkauf des Metallschrotts der StreumunitionsbehÀlter.cite-ref-58[58] Ein Kilogramm Schrott brachte den Metallsammlern dabei im Jahr 2004 umgerechnet 1700 Kip (ca. 9 Eurocent bzw. 14 Rappen).cite-ref-59[59]

Syrien

Schon in der ersten Woche des russischen Einsatzes in Syrien berichtete Human Rights Watch von neuartigen, aus Russland stammenden Streubomben.cite-ref-60[60] Nach Angaben des von Human Rights Watch mitherausgegebenen Streubomben-Monitors waren bis Juli 2016 76 EinsĂ€tze von Streubomben im syrischen BĂŒrgerkrieg dokumentiert worden.cite-ref-61[61] In einer russischen Berichterstattung vom Juni 2016 waren Streubomben an russischen Kampfflugzeugen zu sehen.cite-ref-62[62]

Russisch-Ukrainischer Krieg

Im russischen Überfall auf die Ukraine setzen sowohl Russland als auch die Ukraine Streumunition ein. Beide Staaten sind keine Vertragsparteien des Übereinkommens ĂŒber Streumunition.cite-ref-k-ppner-63-0[63]

Amnesty International beklagt, dass russische Truppen Streumunition gegen die Zivilbevölkerung einsetzen wĂŒrden. Am 25. Februar 2022 wurde die Stadt Ochtyrka mit Streumunition beschossen. Dabei wurden ein Krankenhaus und ein Kindergarten getroffen, wobei drei Zivilisten getötet wurden, darunter ein Kind.cite-ref-64[64] Auch Charkiw wurde am 28. Februar 2022 mit Streumunition angegriffen.cite-ref-65[65]

Human Rights Watch dokumentierte hunderte russische StreumunitionseinsÀtze, wÀhrend die ukrainischen StreitkrÀfte mindestens einmal die russische Armee mit Streumunition beschossen habe.cite-ref-66[66]cite-ref-k-ppner-63-1[63]

Im Juli 2023 begannen die USA Streumunition an die Ukraine zu liefern.cite-ref-reuters-67-0[67] Laut der Aussage von Sicherheitsberater Jake Sullivan hat die gelieferte Streumunitionen eine BlindgĂ€ngerquote von „nicht mehr als 2,5 Prozent“.cite-ref-68[68]cite-ref-zeit-230708-69-0[69] Die Behauptung einer solchen Angabe („unter 2,35 Prozent“ im militĂ€rischen Test) wird jedoch von verschiedenen Fachleuten, Regierungsbeamten und auch Nichtregierungsorganisation (NGO) mit großer Skepsis betrachtet.cite-ref-zeit-230708-69-1[69]cite-ref-70[70]cite-ref-71[71]cite-ref-72[72] Die Vereinigten Staaten sind kein Vertragsstaat des StreumunitionĂŒbereinkommens.cite-ref-73[73] Die Ukraine verpflichtete sich, die Streumunition nicht auf russischem Staatsgebiet einzusetzen.cite-ref-reuters-67-1[67]

Die Lieferung von Streumunition an die Ukraine ist in der EU umstritten. WÀhrend die spanische Regierung die Lieferung kritisierte, signalisierten Frankreich, Italien und Deutschland VerstÀndnis.cite-ref-74[74]cite-ref-75[75]

Völkerrecht

FĂŒr die 112 Vertragsstaaten des Übereinkommens ĂŒber Streumunition vom 1. August 2010, auch unter Oslo-Konvention bekannt, sind der Einsatz, die Entwicklung, die Herstellung, der Erwerb, die Lagerung, die ZurĂŒckbehaltung und die Weitergabe von Streumunition verboten. DarĂŒber hinaus gibt es kein allgemeines, alle Staaten bindendes Verbot von Streumunition. FĂŒr die Nicht-Vertragsstaaten fĂ€llt ihr Einsatz unter die allgemeinen Regeln im bewaffneten Konflikten. Bisher haben dreizehn weitere LĂ€nder die Konvention unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert.cite-ref-76[76]

Nach dem Vorbild der Kampagne gegen Landminen, die 1997 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und ein völkerrechtliches Verbot von Landminen erreichte, wurde 2003 eine internationale Koalition, die Cluster Munition Coalition (CMC), von zivilgesellschaftlichen Gruppen ins Leben gerufen, um die Regierungen der Welt zu einem Verbot zu bewegen. Die Kampagne stellte insbesondere die ĂŒber den Konflikt hinaus ausgehende Gefahr von zivilen Opfern durch Streumunition in den Mittelpunkt. In der Cluster Munition Coalition haben sich ĂŒber 150 Organisationen weltweit gegen den Einsatz von Streumunition zusammengeschlossen.cite-ref-77[77]

Als erstes Land verhĂ€ngte Belgien im Februar 2005 ein Verbot von Streubomben; Norwegen erließ ein Moratorium gegen deren Einsatz, und auch Frankreich und Österreich gelten als Gegner von Streumunition. Auf Initiative der norwegischen Regierung fand am 22./23. Februar 2007 in Oslo die Oslo Conference on Cluster Munitions statt, gefolgt von Folgekonferenzen in Lima, Wien und Wellington zwischen Mai 2007 und Februar 2008.cite-ref-78[78]

Im Dezember 2007 folgte Österreich als zweites Land. Das Parlament in Wien beschloss die Zerstörung der Streubomben in österreichischem Besitz innerhalb von drei Jahren ab dem Januar 2008.

Am 19. Mai 2008 kamen Vertreter aus 111 Staaten zu einer weiteren Konferenz in Dublin zusammen.cite-ref-79[79] Sie formulierten eine Konvention zur Ächtung der Produktion, Lagerung und Verwendung von Streumunition; diese wurde am 3. Dezember 2008 in Oslo unterzeichnetcite-ref-80[80] und trat am 1. August 2010 in Kraft.cite-ref-81[81]

Diese Konvention wird allerdings u. a. von den USA,cite-ref-82[82] Russland, China, Israel, Indien, Pakistan und Brasilien nicht mitgetragen. Keines der LĂ€nder Nordafrikas und des Nahen Ostens bis auf Tunesien, Libanon und Irak haben sie unterzeichnet.cite-ref-83[83]

Auch die EU-Staaten Griechenland, Finnland, Lettland, Polen, RumĂ€nien und Zypern hatten bis Ende November 2008 Vorbehalte geltend gemacht oder zumindest ihre Unterzeichnung noch nicht zugesagt. Das EuropĂ€ische Parlament forderte im November 2008 alle EU-Mitgliedstaaten nachdrĂŒcklich dazu auf, die Konvention zu unterzeichnen und möglichst bald zu ratifizieren.cite-ref-84[84]

Auf Druck mehrerer NATO-Staaten wurden Ausnahmeregelungen zugelassen, die gemeinsame MilitĂ€raktionen mit den StreitkrĂ€ften von Staaten zulassen, die weiterhin den Einsatz von Streubomben befĂŒrworten.cite-ref-85[85]

Als Reaktion auf die Einigung auf eine Konvention kĂŒndigte die deutsche Bundesregierung im Mai 2008 ebenfalls den sofortigen Verzicht auf diese Munition an. Noch vorhandene BestĂ€nde sollten schnellstmöglich vernichtet werden. Bereits 2002 wurden 3719 Bomblets des Typs M42 an ein französisches RĂŒstungsunternehmen abgegeben. Bis zum 25. November 2015 wurden die letzten StreumunitionsbestĂ€nde der Bundeswehr zerstört.

Am 18. Juli 2024 beschloss das Parlament von Litauen fast einstimmig, wieder aus der Konvention auszutreten.cite-ref-86[86]

Sogenannte Punktzielmunition (auch „intelligente“ Bomblets bezeichnet) fallen nicht unter das Verbot des Übereinkommens ĂŒber Streumunition, darunter Submunitionen, die ĂŒber elektronische Selbstzerstörungs- und -deaktivierungseigenschaften verfĂŒgen.

Weblinks

Wiktionary: Streumunition

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Commons

: Streumunition

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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‱ Website ĂŒber die Streubomben-Konvention. In; clusterconvention.org (englisch)
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‱ Streubombe.de – Streubombe.de ist ein Projekt von AktionsbĂŒndnis Landmine.de.
‱ Website von Handicap International zum Thema Streubomben. In: streubomben.de
‱ Nikolas Busse / FAZ: Streumunition gehört zur RealitĂ€t des Krieges (Kommentar anlĂ€sslich der Entscheidung der USA, der Ukraine Streubomben zu liefern), 8. Juli 2023

Literatur

‱ Thomas Enke: Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik. Walhalla Fachverlag, 4., aktualisierte Auflage, Regensburg, 2023, ISBN 978-3-8029-6198-4, S. 376 ff.

Einzelnachweise

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] which could contain at least 1.8 million submunitions. The British used an additional seventy air-launched and 2,100 ground-launched cluster munitions, containing 113,190 submunitions.“
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] eine BlindgĂ€ngerquote von unter 2,35 Prozent habe. MilitĂ€rische Tests hĂ€tten das ergeben. Die Testergebnisse bleiben jedoch unter Verschluss, und Organisationen wie das Rote Kreuz oder Human Rights Watch bezweifeln die Zahlen – und auch die Aussagekraft jener Tests. [
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